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Schwäbisches Tagblatt 21.11.2011

Manchmal auch leise

Chorgemeinschaft feiert sieben Vierteljahrhunderte

„175 Jahre … und kein bisschen leise“ hatten die fast 50 Sängerinnen und Sänger der Mössinger Chorgemeinschaft auf dem Programm, doch was wäre die Musik ohne Pianissimo!

Alfred Gloger

Mössingen. So hörte die volle Quenstedt-Aula am Samstagabend, wie stilvoll der fünfzehnköpfige Männerchor mit einem Satz von Friedrich Silcher in retrospektiver Melancholie das Meer die Sonne auslöschen ließ. Silcher hatte nur sieben Jahre vor den Mössingern seine Akademische Liedertafel im Jahr 1829 in Tübingen ins Leben gerufen, zehn Jahre danach komponierte Mendelssohn die „Sechs Lieder im Freien zu singen op.48“, aus denen der Gemischte Chor das fünfte mit dem Titel „Morgengebet“ vortrug, dem Eichendorff-Text folgend die expressive Dynamik vom frohen Pilger zum tiefen Schweigen mit exakter Sprache auslotete.

Maria Funk stellte in instruktiver Conference diese Zeit mit adäquatem Kostüm und Requisiten vor, leitete in jeweils passender Kleidung zu wechselnden Epochen und Besetzungen über. Landrat Joachim Walter hatte das Programm aufmerksam gelesen und seine launige Laudatio des Chorgeburtstags fein darauf abgestimmt. Oberbürgermeister Michael Bulander, mit Gemahlin erschienen, konnte zu den schon gespendeten Noten einen Umschlag mit „nicht nur Hartgeld“ überreichen. Er stellte die Leistung des Vereins heraus, bei Respektierung der Wurzeln mit dem Beschreiten neuer Wege das kulturelle Leben der Großen Kreisstadt zu bereichern.

Erst 1924 ließen sie Sängerinnen zu

Hans Rommel hat in der Festschrift die Geschichte der drei gesellschaftlich getrennten Männerchöre, die 1924 erstmals Sängerinnen zuließen und sich 1939 zur Chorgemeinschaft zusammenschlossen, übersichtlich aufbereitet. Eine kleine Ausstellung im Foyer des Quenstedt-Gymnasiums zeigte neben großen Fahnen auch (deutlich kleiner) das aktuelle Glanzstück, die soeben verliehene Conradin-Kreutzer-Tafel.

Deshalb durfte sein „Schon die Abendglocken klangen“ aus der Oper „Das Nachtlager von Granada“ nicht fehlen, dazu schlug der Gemischte Chor mit „Oh nuit“ von Jean-Philippe Rameau in lupenreinem Partnerschafts-Französisch die Brücke zurück ins Hochbarock. „Muss i denn zum Städtele hinaus“ wanderte vom Volkslied zum Rhythmisch-Jazzigen, klanglicher Höhepunkt waren die ebenfalls mit großem Applaus bedachten Popsongs von Bee Gees, Ray Charles, Elton John und Mamas & Papas. Deren „California Dreaming“ hatte Peter Winniger der Chorgemeinschaft ganz famos auf den Leib arrangiert.

Klara Dittrich-Rommel, der Ersten Vorsitzenden und ihrem unermüdlichen Engagement ist zu danken, dass der Verein sich so vorteilhaft weiter entwickelt, gemeinsam mit dem natürlich auftretenden, dabei kreativ professionellen Chorleiter Christoph Zolg findet sie ansprechend neue Wege.

So durften einige junge Damen solistisch hervortreten: die Töchter Hanna und Tamara Zolg mit super synchron hingetupften Staccato-Achteln (Schlafe mein Prinzchen), Eva Hübner und Marlene Terton sensibel aufeinander hörend mit dem Heideröslein in der Wernerschen Fassung sowie Ann-Kathrin Bocks klare Koloraturen in Mozarts Zauberflöten-Rachearie.

Pianist Alexander Martirosian hatte das Stück geschickt tiefer arrangiert, begleitete alle aufs Feinste, umging durch besonders zarten Anschlag das Mitschnarren der kleinen Trommel. Ansonsten assistierte die Maja-Band mit gewohnter Souveränität.

Sofia und Rafael Winniger haben nicht nur den sauber zweistimmig und die neuesten Chartbreaker stupend auswendig singenden Popchor weiter verfeinert, sie treten auch mit anspruchsvollen Soli hervor: Sofia als Figaro-Cherubino im Rokoko-Rock, Rafael zusammen mit Vater Peter (Gitarre und tolles Tenorsaxofon, freilich sukzessiv) und einer Adaption des WiseGuys-Songs „Paris“, zweimal laute Bravos.

Echt empfehlenswert wegen großem Spaßfaktor die Steinlachkids: egal ob triumphal vertriebene Vogelscheuche (juchu!), verhalten betrauerter toter Vogel oder Diskoelefant bricht sich hier die Begeisterung schon bei Fünfjährigen Bahn, gerade noch kanalisiert von Chorleiter Christoph Zolg. Nach passend historischen Pausenhäppchen, tollen Kostümen und Choreografien die eifrig herbeigejubelten Zugaben: Zolg brillierte mit Werbesprüchen für die Chorgemeinschaft, neu getextet auf Queens „We will rock you“ – kein bisschen leise.